Mietengrossdemo in Berlin am 11.9.2021

WOHNEN FÜR ALLE!

Gemeinsam gegen hohe Mieten und Verdrängung

Das Urteil zum Berliner Mietendeckel hat gezeigt: Die Möglichkeiten von Bundesländern, steigende Mieten über Gesetze einzudämmen, sind begrenzt. Viele Maßnahmen, die etwas bringen, können nur auf Bundesebene durchgesetzt werden. Also mischen wir uns ein in den Bundestagswahlkampf!

Ein breites Bündnis aus Mieter*innen-Initiativen, Hausgemeinschaften, stadtpolitischen Gruppen, der Kampagne „Deutsche Wohnen und Co enteignen“ und der Kampagne Mietenstopp, mit Gewerkschaften, Mietervereinen und Sozialverbänden geht vor der Wahl gemeinsam auf die Straße, um einen radikalen Kurswechsel in der Mieten- und Wohnungspolitik einzufordern.

Die Website vom Demobündnis findet ihr HIER

Recht auf Stadt Hamburg ist Teil vom bundesweiten Aktionsbündnis
gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn. Wir unterstützen den
Aufruf vom Aktionsbündnis und fordern:

  • Bundesweiter Mietendeckel
  • Wohnungskonzerne enteignen
  • Wohnungen für alle

Den Aufruf als gestalteten Flyer gibt es HIER.

ZEITPLAN DER DEMO

13:00 Uhr Auftaktkundgebung Alexanderplatz
13:30 Uhr Start Demonstration
16:00 Uhr Schlusskundgebung Straße des 17. Juni
18:00 Uhr (ca.) Ende

DEMO-SHUTTLE-BUS
MietenMove + Recht auf Stadt HH goes Großdemo Berlin

Abfahrt: 8:30 Uhr, S-Bahn Sternschanze
Rückfahrt: ca.19:00 Uhr, Berlin!

Es gibt noch Plätze! 15,00 EUR pro Person auf Spendenbasis für die komplette Reise.
Anmeldungen bitte schnellstmöglich unter: info@rechtaufstadt.net

Weitere Infos rund um die Demonstration und die bundesweite Mobilisierung findet ihr auf der neuen Website vom Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn HIER. Im Material-Shop gibt es Sharepics, Plakatvorlagen, Banner etc. HIER Macht mit bei der Mobilisierung!

 

Moin Hamburg, so geht Stadt!

Seit mehr als einem Jahr lastet die Pandemie auch auf Hamburg. Hunderttausende mühen sich Tag für Tag, mit der schwierigen Situation klarzukommen. Business as usual ist unmöglich. Wirklich? Nicht ganz: Stadt und Investor:innen folgen im Schatten der Pandemie ihrem überholten Modell von Stadtentwicklung, in dem Projekte still und heimlich durchgedrückt und Renditen gesteigert werden. Wir sagen: Es reicht! Die Zeit ist gekommen, dieses Modell hinter sich zu lassen. Fünf Initiativen stellen anhand aktueller Konfliktfelder Leitlinien für eine solidarische Stadtentwicklung vor.

1. Jede Planung mit den Bewohner:innen beginnen

Ob es das „Paulihaus“-Projekt am Neuen Pferdemarkt ist, die Sanierung der Sternbrücke oder die Neubebauung des Holstenareals: Die Bewohner:innen wurden, wieder einmal, übergangen. Stattdessen knallt man ihnen oft überdimensionierte Bauentwürfe vor die Füße, die angeblich alternativlos sind. Die passen aber nicht zu den Bedürfnissen der Menschen in den Quartieren, sondern höchstens zu Vorstellungen von Stadt und Investoren:innen, die aus der Zeit gefallen sind. Wir wiederholen es gerne: Die Bewohner:innen sind die Expert:innen vor Ort. Wer hier eingreift und für die Zukunft etwas ändern möchte, holt ihren Rat, ihre Erfahrungen und ihre Expertise ein, bevor ein:e Investor:in eingeschaltet wird. So geht wahrhaft demokratische Stadtentwicklung. Die PlanBude hat bewiesen, dass dies möglich ist.

2. Erpressungen durch Investor:innen zurückweisen

Das Baukonsortium des „Paulihauses“ holte sich eine Werbeagentur ins Boot, die der Stadt drohte, aus der Schanze nach Berlin zu ziehen. Zack, galt das ganze Bauprojekt als Wirtschaftsförderungsfall, dem die Stadt Millionen hinterherwirft, obwohl es sich um ein städtisches Grundstück handelt. Carlsberg, Eigentümerin der Holstenbrauerei, drohte, Hamburg zu verlassen, wenn sie das Brauereigelände in Altona-Nord nicht gewinnbringend verkaufen könnte. Zack, nahm die Stadt ihr Vorkaufsrecht nicht wahr und das Gelände wurde zum Wanderpokal der Immobilienspekulation. Dabei wurden die Eigentumsanteile über Share Deals von einem Unternehmen zum nächsten weitergereicht, so dass die Stadt nicht einmal Grunderwerbsteuer einnahm. Schluss damit: Die Stadt verscherbelt ihre eigenen Grundstücke nicht mehr und nimmt konsequent ihr Vorkaufsrecht wahr. Notfalls nutzt sie Instrumente wie Art. 15 GG oder das Baugesetzbuch, um Grund und Boden zu vergesellschaften, wenn anders eine sozialverträgliche Stadtentwicklung nicht zu gewährleisten ist. Damit gewinnt sie wichtige Handlungsfreiheit in der Stadtplanung und legt öffentliche Gelder sinnvoll an. Denn die Stadt gehört allen, die in ihr leben.

3. Die Abrissbirne im Schuppen lassen, Denkmäler erhalten

Ein Gebäude, ach was, ein ganzes Quartier stört? Weg damit. Das hat in der Abrissstadt Hamburg eine lange Tradition. Gegen die ist auch kein Denkmal gefeit. Zuletzt wurde der City-Hof, ein Denkmal aus der Nachkriegsmoderne, das das Bezirksamt Mitte beherbergte, runtergerissen. Jetzt droht der 130 Jahre alten Schiller-Oper der Abriss. Sie ist ein außergewöhnliches Gebäude: der letzte große Zirkusbau in Deutschland mit einer besonderen Stahlkonstruktion, die sie mit dem Eiffelturm gemeinsam hat. Nicht nur für St. Pauli wäre ihr Abriss ein dramatischer Verlust. Und warum droht der Abriss? Weil die Eigentümerin bislang von der Denkmalbehörde mit Samthandschuhen angefasst wurde. Sie ließ Fristen zur Denkmalsicherung entgegen eindeutigen Senatsbeschlüssen ungestraft verstreichen, in der Hoffnung, dass die historische Rotunde der Schiller-Oper irgendwann nicht mehr zu retten ist und durch einen Neubau ersetzt werden kann. Die Neubaupläne werden wie so oft geheim gehalten. Auch das muss ein Ende haben. Neben der Achtung von Denkmälern gibt es übrigens einen weiteren Grund gegen die Abrisswut: Gebäude abzutragen und anschließend neu zu bauen, produziert Schutt, Abfälle und Emissionen. Das ist keine gute Klimapolitik.

4. Keine neuen Bürogebäude mehr genehmigen

Das „Paulihaus“-Konsortium will am Neuen Pferdemarkt einen sechsgeschossigen Büroklotz bauen, 25 Meter hoch und 115 Meter lang. Echt jetzt? Gibt es einen Büromangel in der Hansestadt? Unsinn: Knapp 500.000 Quadratmeter Bürofläche stehen auch jetzt leer. Zwar heißt es, ein solcher Büroleerstand sei „normal“. Doch viele Firmen fangen an, das pandemiebedingte Home Office zum neuen Modell zu machen. Erste Firmen kündigen bereits Büroflächen. Schon bald werden die leerstehenden Büroquadratmeter nach oben schnellen. Mit denen kann man etwas Besseres machen: zum einen als Wohnraum umnutzen, zum anderen in geteilte Büroflächen für all die umwandeln, die fürs Home Office keinen Platz in der Wohnung haben. Konsequent übers Stadtgebiet verteilt, können die Wege zur Arbeit viel kürzer werden, was wiederum den Verkehr reduziert – und bei der dringend nötigen Mobilitätswende hilft.

5. Bezahlbare Wohnungen für alle statt Luxusapartments bauen

Auch hier ist der Immobilienpoker ums Holstenareal erhellend: Lokale Wohnungsunternehmen boten 50 Millionen, Carlsberg verkaufte hingegen für 153 Millionen, und beim letzten Eigentümerwechsel flossen bereits 320 Millionen. Bedeutet: Soll das Geld wieder reinkommen, kosten die auf dem Areal errichteten Wohnungen locker 20 Euro pro Quadratmeter kalt. Wer soll das bezahlen? Die Hälfte der Hamburger Haushalte ist so knapp bei Kasse, dass sie Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten. Das sind die Menschen, für die jetzt gebaut werden muss. Modelle, wie günstige Wohnungen entstehen können, gibt es längst. Die Stadt muss sie sich nur noch zu eigen machen und konsequent anwenden. Dann muss die Miete für Hunderttausende nicht mehr eine existenzielle Belastung sein.

6. Der Autostadt Hamburg Tschüss sagen

Die Sternbrücke, eine Eisenbahnbrücke in Altona-Nord, ist betagt. Betagt heißt aber nicht: Alteisen. Stadt und Bahn wollen sie jedoch abreißen und durch eine Monsterbrücke ersetzen. Für diesen Unsinn ist Hamburg bereit, 60 Mio. Euro zusätzlich einzusetzen. Würde die Brücke nicht verbreitert, dann müsste die Bahn die Kosten alleine tragen. Hamburg könnte 60 Mio. Euro sicher sinnvoller einsetzen. Tatsächlich soll die Stresemannstraße als die Ost-West-Achse der alten Autostadt Hamburg unter der neuen Brücke noch breiter werden. Das ist nun wirklich aus der Zeit gefallen. Abriss und Neubau der Brücke sind auch nicht alternativlos: Die Sternbrücke ließe sich sanieren, wenn der Wille da wäre. Denn natürlich soll der Bahnverkehr weiter fließen, denn der ist ein wichtiger Bestandteil einer klimafreundlichen Mobilität. Nebenbei bemerkt, einer neuen Sternbrücke würden auch eine ganze Reihe von Wohnhäusern weichen.

7. Quartiere mit Vielfalt und guter Nachbarschaft erhalten

Vor vier Jahren wurde Viva la Bernie, der Hinterhof in der Bernstorffstraße 117, Zuhause und Arbeitsplatz von 110 Menschen, von zwei Berliner Investoren gekauft. Die seit über 30 Jahren bestehende Gemeinschaft aus Handwerker:innen, Künstler:innen und Bewohner:innen war zuerst schockiert, mobilisierte sehr schnell Öffentlichkeit und dann Kapital und bot den Investoren an, den Hof für sieben Millionen Euro zurückzukaufen. Die Investoren lehnten ab, sind jedoch in Verhandlungen gegangen. Die Stadt ist einem solchen mitleidlosen Immobilienpoker aber nicht hilflos ausgeliefert. Zusätzlich zum Vorkaufsrecht kann sie Bebauungspläne so passgenau erstellen, dass bestehende Quartiere in ihrer Vielfalt und Eigenart geschützt werden. Die Stadt sollte den Investor:innen nicht den roten Teppich ausrollen und jeden Bauantrag, jede Bauvoranfrage und jeden Antrag zur Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen rechtzeitig öffentlich machen. Auch die intransparente Hinterzimmer-Baupolitik muss endlich ein Ende haben. Durch die Ausrichtung auf eine wahrhaft gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung werden Nachbarschaften und der soziale Zusammenhalt gefördert – was auch die Stadt nach eigenem Bekunden schätzt. Also los! Überlass die Quartiere nicht dem Immobilienmarkt, Hamburg, sondern erhalte und fördere sie.

Für uns, die Unterzeichnenden, sind diese Punkte fast schon Binsenweisheiten. Auch kluge Wissenschaftler:innen und Stadtentwickler:innen predigen sie seit Jahren. Und sie betreffen nicht nur Altona oder St. Pauli. Das sind nur zwei Stadtteile, in denen sich die Probleme derzeit ballen. Nein, sie gelten genauso für Eidelstedt oder Rothenburgsort, für Langenhorn, die Veddel, Harburg oder für Wilhelmsburg.

Hör auf die geballte Expertise, Hamburg! Erfinde dich neu. Schaffen wir gemeinsam die Stadt für alle, von allen und mit allen.

Holstenareal-Initiative „knallt am dollsten“, Initiative Sternbrücke, Schiller-Oper-Initiative, St. Pauli Code JETZT, Viva La Bernie

http://www.sogehtstadt.hamburg/

Ein schwarzer Tag für die Wohnungspolitik

Pressemitteilung des Hamburger Bündnis‘ Recht auf Stadt zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts bezüglich des Berliner Mietendeckels

Hamburg, 15.4.2021

Das heutige Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen den Berliner Mietendeckel ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der Berliner:innen, sondern aller Mieter:innen in der Bundesrepublik.

Für die war es ein erster Hoffnungsschimmer, dass die marktradikale deutsche Wohnungspolitik der vergangenen Jahrzehnte ein Ende haben könnte.
Denn das Bundesgesetz zur Mietpreisbremse hat sich als weitgehend wirkungslos erwiesen, während die Wohnungsmieten in Ballungsräumen und Universitätsstädten immer absurdere Höhen erreichen.

Zwar hat das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil die Möglichkeit eines Mietendeckels nicht vollständig ausgeschlossen, sondern darauf hingewiesen, dass ein solcher in die Zuständigkeit des Bundes fällt und nicht von einem Bundesland allein erlassen werden kann.
Aber das Urteil zeigt, wie weit sich rechtliche Fragen von der Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen entfernt hat. Für Hunderttausende Berliner:innen wird das Wohnen ab kommendem Monat wieder zu einer unerträglichen Belastung.

Es ist bezeichnend, dass die Normenkontrollklage gegen den Mietendeckel von CDU und FDP angestrengt wurde.
Beide Parteien fallen seit langem durch Korruption, Filz und eine inakzeptable Nähe zu Wirtschaftslobbys, darunter auch der Immobilienwirtschaft, auf.

Wir fordern, dass sie der nächsten Bundesregierung nicht angehören und eine solche nach der Wahl die bundeseinheitlichen gesetzlichen Grundlagen für die Anwendung eines Mietendeckels schaffen.
Dass diese grundsätzlich gegeben sind, hatten 2018 und 2019 Rechtsgutachten zur Zulässigkeit eines Mietendeckels gezeigt.

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Das Netzwerk Recht auf Stadt Hamburg unterstützt die Proteste gegen die „Corona-Demo“

…am Samstag den 16. Mai 2020 und darüber hinaus.

Wir stehen als Netzwerk für eine offene, solidarische und sozial gerechte Stadt. Gerade jetzt in der Corona-Krise zeigen sich die Bruchstellen von prekären Lebens- und Arbeitsverhältnissen im besonderen Maße. Gleichzeitig rücken Zustände in die politische Debatte, die auch die Chance eröffnen, längerfristige Verbesserungen zu erreichen. Die Bedingungen in der Pflege und Care-Arbeit, schlechte Unterbringung und Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel in der Fleischindustrie, steigende Arbeitslosigkeit, zu hohe Mieten für kleine Läden und Betriebe gehören dazu. Viele Missstände sind lange bekannt, aber erst jetzt bekommen sie, zumindest teilweise, die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Hier liegen unter anderem Themen, für die es sich weiter einzusetzen lohnt. Die existenzbedrohenden Begleiterscheinungen der Covid-19-Pandemie nehmen wir ernst, v.a. weil sie wie so oft die wirtschaftlich Schwächsten am stärksten trifft. Sie sind bei den Covid-19-Demonstrationen aber gar kein Thema.

Die teils kruden Auffassungen ,unter denen sich seit Wochen ein breites Spektrum verschiedenster Menschen mit Bezug auf Covid19 versammelt, mögen uns aberwitzig und absurd erscheinen, harmlos sind sie aber nicht. Unter dem Label Impfzwang wird von Impfgegner*innen (u.a. Deutsche Mitte) Corona geleugnet oder verharmlost und die Erzählung von Bill Gates als Drahtzieher von Covid-19 verbreitet. Antisemitische Stereotype, Verschwörungsideologien, offene Flanken zu extremen Rechten (AfD, freie Kameradschaften, Identitäre Bewegung, Reichsbürger*innen), faktenfreie Weltanschauungen bis zur Leugnung des Holocaust sind nicht zu tolerieren. Ihnen muss klar entgegengetreten werden!

Eine offene Debatte zu den Corona-Einschränkungen ist richtig! Und gerade die Versammlungsfreiheit ist ein hohes und erkämpftes Gut von demokratischen Gesellschaften. In Bezug auf Covid-19 aber verbieten sich für uns vereinfachende Schuldzuweisungen noch glauben wir, dass es ein Konstrukt zur Einschränkung unserer Grundrechte ist.

Freiheitliche Grundrechte wurden noch nie von Rechten erkämpft oder verteidigt, auch wenn sie sich momentan unter dem Deckmantel der „Corona-Rebellen“ versammeln. Kritik und Protest an den gesellschaftlichen Verhältnissen muss immer möglich sein. Ängste und Sorgen sind in dieser Krise berechtigt. So lange es bei Protesten jedoch keine Abgrenzung zu rechten Kräften und Antisemitismus gibt, ist das ein No-Go! Auch einer Etablierung von Querfront-Strategien erteilen wir eine klare Absage!

Verschwörungserzählungen mit ihren offenen Flanken nach Rechts bieten keine emanzipatorische Perspektive und haben es noch nie getan! Sie stehen nicht für Grundrechte, nicht für soziale Teilhabe, nicht für Pressefreiheit und auch nicht für den universellen und egalitären Gedanken eines Rechtes auf Stadt.

Das Netzwerk Recht auf Stadt unterstützt deshalb die angekündigten Proteste gegen die kommenden Corona-Versammlungen und ruft gemeinsam mit anderen Gruppen zur Teilnahme auf!

Tragt Mundschutz und achtet auf die Hygieneempfehlungen!
In der weltweiten Gesundheitskatastrophe durch Covid-19 hilft nur Solidarität statt Ausgrenzung!

#coronawatchhh #nonazishh #hh1605 #coronaquerfront


Das Netzwerk Recht auf Stadt unterstützt auch den Aufruf des „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ zur Kundgebung am 16.05.2020:

Solidarität und Aufklärung statt Verschwörungsideologien

 

GrundRECHT auf Stadt – für alle!

Nicht das Geld darf darüber entscheiden, wieviel Ausnahmezustand man sich leisten kann.

Während die gut situierten Hamburger Haushalte in großen Wohnungen mit Terrassen oder Häusern mit Gärten und gut gefüllten Konten bis jetzt wenig von der Krise betroffen sind, will der Hamburger Senat nun den Menschen, die nicht so privilegiert sind, das Leben noch schwerer machen.

Ab sofort können Personen, die nicht den geforderten Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, und Geschäfte, die um das Überleben kämpfen und deshalb heimlich öffnen, laut Senatsbeschluss vom 02.04.2020 mit hohen Geldstrafen belegt werden.

Das halten wir für falsch.

„Eine Stadt, die das offene Tor im Wappen trägt und sich als kreative Weltstadt verkauft, von der erwarte ich innovative Ideen für Krisenmanagement bei bevorstehenden Frühlingstemperaturen und nicht einen Bußgeld-Katalog“, sagt Christina Zeh vom Sprecher*innen-Rat des Netzwerks Recht auf Stadt.

Eine Antwort könnte sein, die schon vor Jahren fast komplett eingedampften Jugendzentren zur reaktivieren. Wenn Angestellte in Betrieben trotz Social Distancing weiterarbeiten müssen, können Kinder und Jugendliche nicht zu häuslicher Isolation verdammt werden. Mit geeigneten Vorsichtsmaßnahmen könnten Kinder und Jugendliche dort Lernhilfen und bei häuslichen Problemen auch Beratungsangebote bekommen.

In diesem Zusammenhang ist nicht unerheblich, dass in dicht besiedelteren, ärmeren Stadtteilen mit kleinen Wohnungen das „Stay at home“ Familien sehr viel stärker belastet als in wohlhabenderen Stadtteilen mit weniger Bevölkerung und Einfamilienhäusern.

„Maßnahmen dieser Art treffen unter dem Strich nur diejenigen, die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Situation sowieso schon schlechter dastehen“, sagt Daniel Schlegel vom Sprecher*innen-Rat des Netzwerks Recht auf Stadt.

Die Krise trifft bereits jetzt viele Hamburger*innen hart. Deshalb sollte sich der regierende Senat einer Stadt, in der die meisten Millionäre Deutschlands leben, zügig Gedanken darüber zu machen, wie eine solidarische Umverteilung mindestens in der jetzigen Krise organisiert wird.

Durch die Privatisierung der städtischen Krankenhäuser sind diejenigen, die in dieser Krise alles geben, um Menschenleben zu retten, oft wirtschaftlich sehr schlecht gestellt. Die Löhne für Pflegearbeit in Krankenhäusern spotten jeder Beschreibung. Das Netzwerk Recht auf Stadt fordert deshalb von der Stadt Hamburg, einen Sonderfonds aufzulegen, um zunächst für die Dauer der Pandemie die Löhne für Pflegearbeit kräftig aufzustocken.

Die großzügig in Aussicht gestellten finanziellen Hilfen für Betriebe und Freiberufler*innen sind zum jetzigen Zeitpunkt de facto eine Subventionierung der Grundeigentümer*innen. Die Summen sind zu niedrig und fließen zuerst in die Zahlung von Mieten. Auch die Stundung von Mieten für Wohnungsmieter*innen ist keine Lösung, weil hier die Mieter*innen sich in Wirklichkeit verschulden, wenn sie die gestundeten Mieten mit vier Prozent Verzinsung bis Ende 2022 zurückzahlen müssen.

„Das zieht man Jahre hinter sich her wie Linus von den Peanuts sein Schnuffeltuch. Das wird finanzielle Dramen für viele Hamburger*innen zur Folge haben“, sagt Dorothee Wolter, Aktivistin im Netzwerk Recht auf Stadt.

Das Netzwerk fordert deshalb eine stadtweite Mietenpause von sechs Monaten – vor allem für Wohnungsmieter*innen und für Kleingewerbetreibende. Für alle in Not.

Ein echter Skandal ist der Umgang der Stadt Hamburg mit Geflüchteten und Obdachlosen. Die Räumung des Zeltes der Gruppe Lampedusa in Hamburg in St. Georg etwa legt den Verdacht nahe, dass hier unter dem Deckmantel des Seuchenschutzes Tatsachen geschaffen werden sollen, und Geflüchteten systematisch ihre soziale Basis genommen werden soll. Sie ebenso wie Obdachlose sollten per Senatsverordnung das Recht auf ein Bett bekommen – in Hamburg stehen ausreichend Hotels leer.

Dass hier überhaupt etwas für diese von der Corona-Krise besonders hart getroffenen Gruppen getan wird, ist der Solidarität und der Hilfe entschlossener Hamburger*innen zu verdanken. Wie schon im Sommer 2015 zeigt sich, dass es die Zivilgesellschaft ist, die einspringt, wo ein schlecht vorbereiteter Staat keine Hilfsstrukturen vorsieht oder diese eingespart hat.

Klar ist: Nach dieser Krise kann es kein Zurück zum „Normalzustand“ geben. Hamburg muss in den kommenden Monaten alles daransetzen, sich als wirklich Freie und Solidarische Stadt Hamburg neu zu erfinden.

Sprecher*innenrat des Recht auf Stadt Netzwerk Hamburg

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Coronaschutz braucht ein Zuhause!

Pressemitteilung zum Housing Action Day 2020


Wegen der Corona-Pandemie hat das Hamburger Vorbereitungsbündnis für den
Housing Action Day die für Samstag, den 28.03. geplante Demonstration unter
dem Motto „Wohnen für Menschen statt für Profite“ verschoben. Die
Initiator_innen der Demonstration rufen stattdessen dazu auf, um 18:00 Uhr
an den Fenstern und Balkonen mit Töpfen und Deckeln Krach für eine andere
Wohnungspolitik zu machen.

„Zuhause bleiben und Abstand halten – das geht nur, wenn man ein Zuhause
hat. Rund 2800 Menschen leben in Hamburg auf der Straße. Rund 30.000
Wohnungslose und Geflüchtete leben beengt in Notunterkünften. Für diese
Menschen sind die Möglichkeiten eingeschränkt, sich vor Corona zu schützen.
Um sie zu schützen, muss die Stadt jetzt Platz in leeren Hotels schaffen“,
fordert Steffen Jörg, Sprecher des Bündnisses.

Viele Hamburger_innen verlieren ihre Einkommensquellen. Sie können die
Miete für ihre Wohnung oder ihr Gewerbe nicht mehr aufbringen. „Die
Immobilienbesitzer_innen müssen in die Pflicht genommen werden. Der Staat
ist nicht dafür da, die Gewinne von Immobilienkonzernen zu garantieren.
Damit keine Schuldenberge entstehen, sollten die Mieten von Menschen ohne
Einkommen nicht zu einem späteren Zeitpunkt gezahlt, sondern durch die
Immobilienwirtschaft getragen werden. Für die Fälle, wo das nicht möglich
ist, soll ein Hilfsfonds eingerichtet werden, an den sich in Not geratene
Vermieter_innen wenden können“, so Jörg.

Zuhause bleiben heißt es morgen auch für die Teilnehmer_innen an der St.
Pauli Stadtteilversammlung , denn diese wird ab 15 Uh das erste Mal per
Livestream stattfinden: http://t1p.de/spsm-2803. Eins der Themen ist die
solidarische Nachbarschaftsvernetzung St. Pauli Hotline, die wegen der
Corona-Pandemie ins Leben gerufen wurde.